Case Study - Lagerwirtschaft-Software: Von der Zettelwirtschaft zum KI-gestützten Bestandsmanagement

Ein Haustechnik-Betrieb mit 3 Standorten verwaltete sein Lager über eine 16 Jahre alte Delphi-Anwendung – ergänzt durch Excel-Listen und Zettelwirtschaft. Wir haben das System übernommen, modernisiert und KI-gestütztes Bestandsmanagement integriert. Fehlbestände sanken um 78 %.

Kunde
Schuster Haustechnik GmbH
Datum
Leistung
Software Ownership & KI-Integration
Besprechung zur Systemmodernisierung

Die Ausgangslage

Die Schuster Haustechnik GmbH installiert und wartet Heizungs-, Sanitär- und Klimaanlagen in der Region Regensburg. Mit 65 Mitarbeitern an 3 Standorten braucht der Betrieb täglich Zugriff auf tausende Ersatzteile und Materialien.

Das Problem: Drei Standorte, drei verschiedene Systeme, null Überblick.

Standort 1 (Hauptsitz): Delphi-Anwendung

Am Hauptsitz lief eine 16 Jahre alte Delphi-Desktop-Anwendung. Entwickelt 2009 von einem lokalen Softwarehaus, das inzwischen geschlossen hatte. Die Software konnte:

  • Artikelstammdaten verwalten
  • Ein- und Ausgänge buchen
  • Mindestbestände anzeigen
  • Einfache Auswertungen erstellen

Aber sie lief nur lokal auf einem Windows-PC im Lager. Kein Netzwerkzugang, keine Web-Oberfläche, kein mobiler Zugriff.

Standort 2 und 3: Excel und Zettel

Die beiden Außenstandorte hatten keinen Zugang zur Lagersoftware. Stattdessen:

  • Excel-Listen pro Standort (manuell gepflegt)
  • Zettelwirtschaft für Ein- und Ausgänge
  • Telefonate mit dem Hauptsitz: „Habt ihr noch 50er-Kupferrohre?"
  • Wöchentlicher Abgleich per E-Mail (der selten stimmte)

Der Zustand im Detail

BereichZustand
TechnologieDelphi 7, Firebird-Datenbank, lokale Installation
Standort-Abdeckung1 von 3 (nur Hauptsitz)
Artikelstamm4.200 Artikel, davon ~800 veraltet/inaktiv
Bestandsgenauigkeit~62 % (gemessen bei letzter Inventur)
Fehlbestände pro Monat35–45 (Material nicht da, obwohl „auf Lager")
Notfall-Bestellungen8–12 pro Woche (teuer, per Express)
Zeitaufwand Abgleich~6 Stunden pro Woche
Monatliche Kosten~7.800 € (externer Support + Workarounds + Expressbestellungen)
DokumentationNicht vorhanden

„Jede Woche hatten wir Monteure, die auf der Baustelle standen und das Material nicht da war. Dann Express-Bestellung beim Großhändler – zum doppelten Preis. Das hat uns ein Vermögen gekostet."

— Christine Schuster, Geschäftsführerin

Die versteckten Kosten der Zettelwirtschaft

PostenMonatliche Kosten
Externer IT-Support (Delphi-System am Leben halten)1.200 €
Express-Bestellungen durch Fehlbestände~3.500 € Aufschlag
Zeitaufwand manueller Abgleich (3 Standorte)~2.100 € (Arbeitszeit)
Monteur-Leerlauf bei fehlendem Material~1.000 €
Tatsächliche Gesamtkosten~7.800 €/Monat

Phase 1: Übernahme und Analyse (Wochen 1–4)

Kick-off Meeting (Tag 1)

  • Teilnehmer: Geschäftsführerin, Lagerleiter Hauptsitz, Standortleiter 2 und 3, Einkauf, unser Team
  • Dauer: 3 Stunden
  • Ziel: Verstehen, wie Material über alle 3 Standorte fließt

Kernfrage: Wie arbeiten die 3 Standorte zusammen – und wo entstehen die Lücken?

Standort-Besuche (Woche 1)

Wir haben jeden Standort persönlich besucht – jeweils einen halben Tag:

StandortBeobachtungen
HauptsitzDelphi-System funktioniert grundsätzlich, aber Daten sind veraltet. Lagerist bucht nur 70 % der Ein-/Ausgänge.
Standort 2Excel-Liste mit 1.200 Artikeln. Letzte Aktualisierung: 3 Wochen her. Reale Bestände stimmen bei ~50 %.
Standort 3Papier-Zettel am Regal. Kein digitales System. Bestellungen per Telefon oder WhatsApp.

KI-gestütztes System-Audit (Woche 2)

Mit KI-Tools haben wir den Delphi-Quellcode analysiert:

  • 42.000 Zeilen Delphi-Code dokumentiert und kartiert
  • Datenmodell der Firebird-Datenbank vollständig rekonstruiert
  • Geschäftslogik extrahiert: Mindestbestand-Berechnung, Bestellvorschläge, Inventur-Prozess
  • 8 kritische Probleme identifiziert (fehlende Datensicherung, keine Berechtigungen, SQL-Injection)

Manuell hätte die Analyse gut 18 Arbeitstage gedauert. Mit KI-Tools waren es 7.

Mehr dazu: Softwareentwicklung mit KI optimieren – So senken Unternehmen ihre Kosten

Inventur-Workshop (Woche 3)

  • Teilnehmer: Geschäftsführerin, Lagerleiter, Einkauf
  • Dauer: 2 Stunden
  • Thema: Aktuelle Prozesse, Schwachstellen, Wunschliste

Ergebnis: Priorisierte Liste mit 12 Anforderungen – die wichtigsten:

  1. Alle 3 Standorte im gleichen System (höchste Priorität)
  2. Echtzeit-Bestände, standortübergreifend
  3. Automatische Bestellvorschläge
  4. Mobile Buchung (Smartphone/Tablet)
  5. Barcode-Scanner-Integration

Roadmap-Präsentation (Ende Woche 3)

  • Teilnehmer: Geschäftsführerin, Standortleiter, Lagerleiter, Einkauf
  • Dauer: 2 Stunden
  • Inhalt: Audit-Ergebnisse, Modernisierungsstrategie, 90-Tage-Roadmap

Die 90-Tage-Roadmap

ZeitraumSchwerpunktZiel
Woche 1–4Analyse & PlanungSystem verstanden, Anforderungen klar, Roadmap steht
Woche 5–7KernsystemArtikelstamm + Ein-/Ausgänge als Webanwendung
Woche 8–10Multi-StandortAlle 3 Standorte live, mobile Buchung
Woche 11–12KI-FeaturesBestelloptimierung, Anomalie-Erkennung
Ab Monat 4Ownership RetainerDauerhafte Betreuung und Weiterentwicklung

Phase 2: Stabilisierung und Migration (Wochen 5–12)

Sprint 1: Kernsystem (Woche 5–7)

Daten-Migration:

  • 4.200 Artikel aus Firebird exportiert
  • 800 veraltete Artikel bereinigt (in Abstimmung mit dem Einkauf)
  • 3.400 aktive Artikel nach Azure SQL migriert
  • Bestände aus Delphi + Excel + Papier zusammengeführt (2 Tage Inventur an allen Standorten)

Neue Webanwendung:

  • ASP.NET Core 8 + Blazor Server
  • Artikelverwaltung mit Suche, Filter, Kategorien
  • Ein- und Ausgangsbuchung mit Barcode-Scanner
  • Echtzeit-Bestandsanzeige pro Standort und gesamt
  • Benutzer-Rollen: Lagerist, Einkauf, Standortleiter, Geschäftsführung

Sprint 2: Multi-Standort und Mobile (Woche 8–10)

FeatureBeschreibung
Standort-ZuordnungJeder Artikel hat Bestände pro Standort
Standort-TransferMaterial zwischen Standorten umbuchen
Mobile BuchungResponsive Weboberfläche für Smartphone und Tablet
Barcode-ScannerKamera-basiert via Smartphone (keine Extra-Hardware)
BenachrichtigungenPush bei Mindestbestand, Bestelleingang, Transfers

Go-Live Standort 2 (Woche 9):

  • Schulung: 1,5 Stunden vor Ort mit allen Mitarbeitern
  • Ergebnis: Sofort produktiv – die Web-Oberfläche war intuitiver als die Excel-Liste

Go-Live Standort 3 (Woche 10):

  • Schulung: 1 Stunde vor Ort
  • Ergebnis: „Endlich kein Zettel mehr" – O-Ton Standortleiter

Sprint 3: KI-Integration (Woche 11–12)

Der größte Hebel: KI-gestütztes Bestandsmanagement.

1. Automatische Bestellvorschläge:

  • KI analysiert Verbrauchshistorie, Saisonalität und aktuelle Aufträge
  • Wöchentliche Bestellvorschläge werden automatisch generiert
  • Einkauf prüft und bestätigt mit einem Klick

2. Anomalie-Erkennung:

  • Ungewöhnliche Bestandsänderungen werden gemeldet (z.B. plötzlich 200 Kupferfittings weniger)
  • Verhindert Buchungsfehler und Schwund

3. Vorausschauende Nachbestellung:

  • KI prognostiziert den Bedarf der nächsten 2 Wochen basierend auf offenen Aufträgen
  • Material wird bestellt, bevor es fehlt – nicht danach

Mehr dazu: KI-Integration in Bestandssoftware – Praxisbeispiele für den Mittelstand

Wöchentliche Status-Meetings

Während der gesamten Phase 2:

  • Jeden Mittwoch, 30 Minuten – Fortschritt, Blocker, nächste Schritte
  • 3 Schulungstermine (je 1–1,5 Stunden pro Standort)
  • 1 Inventur-Tag an allen Standorten für die Daten-Migration

Total in Phase 2: 8 Status-Meetings + 3 Schulungen + 1 Inventur-Tag

Phase 3: Ownership Retainer (ab Monat 4)

Was im monatlichen Retainer enthalten ist (4.900 €/Monat)

  • Wartung & Updates: Framework-Updates, Sicherheitspatches, Azure-Management
  • Weiterentwicklung: Neue Features und Anpassungen nach Bedarf der Standorte
  • Support: Schnelle Hilfe bei Problemen – Reaktionszeit unter 4 Stunden
  • Monitoring: Alle 3 Standorte werden rund um die Uhr überwacht
  • Monatlicher Report: Was wurde umgesetzt, welche Kennzahlen haben sich verändert

Monatliches Review-Meeting

Jeden Monat, 1 Stunde – abwechselnd vor Ort und remote:

  • Rückblick: Systemmetriken, Bestandsgenauigkeit, Bestelloptimierung
  • Feedback: Was brauchen die Standorte, was wünscht sich der Einkauf?
  • Planung: Priorisierung der nächsten Features

Was in 6 Monaten Retainer erreicht wurde

MonatUmgesetzte Features
Monat 4Lieferanten-Schnittstelle (automatische Bestellübermittlung an 3 Hauptlieferanten)
Monat 5Inventur-Modul (standortweise oder gesamt, mit Differenz-Report)
Monat 6Dashboard für Geschäftsführung (Lagerwert, Umschlagshäufigkeit, Top-Artikel)
Monat 7Foto-Dokumentation (Artikel-Bilder direkt vom Smartphone)
Monat 8Integration Handwerkersoftware (Aufträge → Materialentnahme automatisch)
Monat 9Retourenmanagement und Reklamations-Tracking

Warum Ownership langfristig günstiger ist: Software Ownership vs. Agentur

Die Ergebnisse nach 9 Monaten

Weniger Fehlbestände
78%
Standorte in einem System (vorher nur 1)
3
Bestandsgenauigkeit (vorher 62 %)
91%
Express-Bestellungen pro Woche (vorher 8-12)
0

Vorher vs. Nachher im Detail

KennzahlVorher (Delphi + Excel + Papier)Nachher (Ownership)Veränderung
Monatliche Kosten~7.800 € (inkl. versteckter Kosten)4.900 € (fest)-37 %
Einmalige Migration15.000 €Einmalig
ROI der MigrationNach 5,2 Monaten
Standorte im System1 von 33 von 3+200 %
Bestandsgenauigkeit~62 %91 %+29 Prozentpunkte
Fehlbestände/Monat35–458–10-78 %
Express-Bestellungen/Woche8–120–1-95 %
Abgleich-Aufwand6h/Woche0 (Echtzeit)-100 %
DokumentationNicht vorhandenVollständigVollständig erstellt

Kostenrechnung über 12 Monate

Vorher (Flickenteppich)Nachher (Ownership)
Monatliche Kosten × 1293.600 €58.800 €
Express-Bestellungen (Aufschlag) × 12~42.000 €~1.200 €
Einmalige Migration15.000 €
Gesamtkosten Jahr 1~135.600 €75.000 €
Ersparnis60.600 € (45 %)

Die vollständige Kostenanalyse: Was kostet Softwareentwicklung in Deutschland 2026?

Was die Kundin sagt

Freitagnachmittag den Lagerbestand über drei Standorte per Excel abgleichen – das hat mich jahrelang wahnsinnig gemacht. Jetzt mache ich morgens das Dashboard auf und sehe sofort, wie es aussieht. Und das mit den automatischen Bestellvorschlägen spart uns locker eine Stunde am Tag.

Christine Schuster, Geschäftsführerin, Schuster Haustechnik GmbH

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