Case Study - Mini-ERP aus Access und VBA: Wie ein Metallbaubetrieb sein System modernisiert hat

Ein Metallbaubetrieb mit 45 Mitarbeitern betrieb seit 11 Jahren ein selbstgebautes Mini-ERP in Access und VBA. Statt Neuentwicklung haben wir das System schrittweise modernisiert – mit .NET, Azure und KI. Das Ergebnis: 60 % weniger manuelle Arbeit und planbare Kosten.

Kunde
Bauer Metallbau GmbH
Datum
Leistung
Software Modernisierung & Ownership
Whiteboard mit Systemarchitektur

Die Ausgangslage

Die Bauer Metallbau GmbH fertigt Geländer, Treppen und Stahlkonstruktionen für Bauunternehmen und Privatkunden. Im Zentrum stand: Ein selbstgebautes Mini-ERP in Microsoft Access, das 2014 von einem Mitarbeiter entwickelt wurde, der inzwischen in Rente ist.

Das System verwaltete alles:

  • Auftragsverwaltung – Angebote, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine
  • Lagerverwaltung – Materialbestände, Bestellungen, Mindestmengen
  • Rechnungsstellung – Rechnungen erstellen, Mahnwesen, DATEV-Export
  • Kundendatenbank – Kontakte, Projekte, Ansprechpartner
  • Kalkulation – Materialkosten, Arbeitszeiten, Margen

45 Mitarbeiter hingen an diesem System. Lief es nicht, ging nichts. Und es lief auf einem einzigen Windows-Server.

Die gescheiterten Neuanfänge

Bevor wir ins Spiel kamen, hatte Bauer Metallbau zwei Versuche einer Neuentwicklung hinter sich:

VersuchAnbieterKostenDauerErgebnis
2021Lokale Agentur35.000 €6 MonateAbgebrochen – Anforderungen unklar, Budget überschritten
2023Freelancer50.000 €8 MonatePrototyp geliefert, aber unbrauchbar – wichtige Funktionen fehlten
Gesamt85.000 €14 MonateKein Ergebnis

„85.000 Euro in den Sand gesetzt. Zwei Mal hat man uns versprochen, alles wird besser, moderner, schneller. Zwei Mal saßen wir am Ende mit nichts da – außer dem alten Access."

— Stefan Bauer, Geschäftsführer

Der Zustand des Access-Systems

BereichZustand
TechnologieAccess 2016 + VBA, Jet-Datenbank auf Netzlaufwerk
BenutzerMax. 5 gleichzeitig (danach Abstürze)
Datenmenge1,2 GB – an der Grenze der Access-Kapazität
BackupsManuell, einmal pro Woche (wenn jemand dran denkt)
Ausfälle1–2x pro Monat Datenbankkorruption
PerformanceMonatsauswertungen dauerten 15–20 Minuten
Workarounds3 Excel-Listen als Ergänzung, weil Funktionen fehlten
DokumentationNicht vorhanden
Kosten~6.500 €/Monat (externer Admin + Notfall-Fixes + Workaround-Aufwand)

Phase 1: Übernahme und Analyse (Wochen 1–4)

Kick-off Meeting (Tag 1)

  • Teilnehmer: Geschäftsführer, Büroleitung, Werkstattleiter, unser Team
  • Dauer: 3 Stunden
  • Ziel: Verstehen, wie der Betrieb wirklich arbeitet – nicht nur, was die Software tut

Wir haben uns hingesetzt und jeden Prozess von Anfang bis Ende angeschaut – von der Anfrage bis zur Rechnung, jeden Workaround, jede Excel-Liste. Die beiden gescheiterten Versuche vorher hatten genau das nicht getan: Die hatten die Technik geplant, ohne den Betrieb zu verstehen.

Prozess-Workshops (Woche 1–2)

WorkshopTeilnehmerDauerThema
AuftragsabwicklungBüroleitung, 2 Sachbearbeiter2hVom Angebot bis zum Lieferschein
Lager & EinkaufWerkstattleiter, Lagerist1,5hBestände, Bestellungen, Mindestmengen
RechnungswesenBuchhalterin, Geschäftsführer2hRechnungen, Mahnwesen, DATEV-Export
KalkulationGeschäftsführer, Werkstattleiter1,5hMaterialpreise, Arbeitszeiten, Margen

Ergebnis: Eine vollständige Prozessdokumentation. In 11 Jahren hatte die vorher niemand gemacht.

KI-gestütztes System-Audit (Woche 2–3)

Mit KI-Tools haben wir 28.000 Zeilen VBA-Code analysiert:

  • 87 VBA-Module dokumentiert und katalogisiert
  • Geschäftslogik extrahiert – was berechnet das System wie?
  • Datenmodell vollständig rekonstruiert (42 Tabellen, 180 Beziehungen)
  • 14 kritische Bugs identifiziert (davon 3, die zu Fehlberechnungen führten)

Ohne KI-Tools hätten wir dafür gut 25 Arbeitstage gebraucht. Mit KI waren es 10.

Mehr dazu: Softwareentwicklung mit KI optimieren – So senken Unternehmen ihre Kosten

Roadmap-Präsentation (Ende Woche 3)

  • Teilnehmer: Geschäftsführer, Büroleitung, Werkstattleiter
  • Dauer: 2 Stunden
  • Inhalt: Audit-Ergebnisse, Modernisierungsstrategie, 90-Tage-Roadmap, Kostenplan

Unsere Empfehlung: Das System nicht neu bauen. Die Daten und die bewährte Logik übernehmen und Stück für Stück in eine moderne Webanwendung überführen.

Die 90-Tage-Roadmap

ZeitraumSchwerpunktZiel
Woche 1–4Übernahme & AnalyseSystem verstanden, Prozesse dokumentiert
Woche 5–8Migration KernAuftragsverwaltung + Kundendatenbank in .NET
Woche 9–11Migration ErweiterungLager + Rechnungswesen migriert
Woche 12Go-LiveVollständige Ablösung des Access-Systems
Ab Monat 4Ownership RetainerWeiterentwicklung + neue Features

Phase 2: Stabilisierung und Migration (Wochen 5–12)

Der Migrations-Ansatz: Modul für Modul

Statt eines Big-Bang-Wechsels haben wir Modul für Modul migriert. Das Access-System lief parallel weiter, während die neue .NET-Anwendung Stück für Stück übernahm.

Woche 5–6: Auftragsverwaltung

  • Daten aus Access nach Azure SQL migriert
  • Auftragserfassung, Angebote und Lieferscheine als Webanwendung
  • Erster Meilenstein: Mitarbeiter arbeiteten ab Woche 6 im neuen System

Woche 7–8: Kundendatenbank und Kalkulation

  • 2.400 Kundendatensätze bereinigt und migriert
  • Kalkulationslogik 1:1 übernommen (die funktionierte gut!)
  • Neue Kalkulationsansicht mit Echtzeit-Vorschau der Marge

Woche 9–10: Lagerverwaltung

  • 1.800 Artikel mit Beständen migriert
  • Automatische Nachbestellung bei Mindestmengen (vorher: Excel-Liste)
  • Barcode-Scanner-Integration für Warenein- und -ausgang

Woche 11: Rechnungswesen

  • Rechnungserstellung im neuen System
  • DATEV-Export automatisiert (vorher: manueller CSV-Export, fehleranfällig)
  • Automatisches Mahnwesen nach konfigurierbaren Regeln

Woche 12: Go-Live und Access-Abschaltung

  • Finaler Datenabgleich
  • Access-System als Archiv-Zugang behalten (read-only)
  • Schulung aller 12 Büro-Mitarbeiter (2 Stunden)

Wöchentliche Status-Meetings

Während der gesamten Migrationsphase gab es jeden Freitag ein 30-Minuten-Update:

  • Was wurde diese Woche erreicht?
  • Gibt es Blocker oder offene Fragen?
  • Was ist der Plan für nächste Woche?

Total in Phase 2: 8 Status-Meetings + 2 Schulungstermine

Technologie-Stack der neuen Anwendung

KomponenteTechnologie
BackendASP.NET Core 8, C#
FrontendBlazor Server (einfach für interne Anwendung)
DatenbankAzure SQL
HostingAzure App Service
CI/CDGitHub Actions
MonitoringApplication Insights
Tests380 automatisierte Tests

Warum Modernisierung fast immer besser ist als Neuentwicklung: Legacy Software modernisieren: Was es kostet und warum es sich lohnt

Phase 3: Ownership Retainer (ab Monat 4)

Was im monatlichen Retainer enthalten ist (4.900 €/Monat)

  • Wartung & Updates: Framework-Updates, Sicherheitspatches, Azure-Management
  • Weiterentwicklung: 3–4 neue Features oder Verbesserungen pro Monat
  • Support: Reaktionszeit unter 4 Stunden bei kritischen Problemen
  • Monitoring: 24/7 Systemüberwachung
  • Monatlicher Report: Transparenter Überblick über alle Aktivitäten

Monatliches Review-Meeting

Jeden ersten Montag im Monat, 1 Stunde:

  • Rückblick: Umgesetzte Features, Systemmetriken, Nutzerfeedback
  • Prioritäten: Was braucht der Betrieb als Nächstes?
  • Roadmap-Update: Quartalsweise Planung der größeren Themen

KI-Integration: Automatisierte Angebotserstellung

Das Feature, das am meisten verändert hat: KI-gestützte Angebotskalkulation.

Vorher tippte der Geschäftsführer jedes Angebot manuell – Positionen suchen, Preise kalkulieren, Text formulieren. Pro Angebot: 45–60 Minuten.

Jetzt:

  1. Anfrage wird ins System eingegeben (Kunde, Produkt, Maße)
  2. KI schlägt passende Positionen aus vergangenen Angeboten vor
  3. Materialpreise werden automatisch aus dem Lager gezogen
  4. Angebotstext wird KI-gestützt formuliert
  5. Geschäftsführer prüft und versendet

Zeitersparnis: 30 Minuten pro Angebot – bei 15 Angeboten pro Woche sind das 7,5 Stunden pro Woche.

Mehr dazu: KI-Integration in Bestandssoftware – Praxisbeispiele für den Mittelstand

Die Ergebnisse nach 8 Monaten

Weniger manuelle Arbeit durch Automatisierung
60%
Datenbankkorruptionen (vorher 1-2x/Monat)
0
Wöchentliche Zeitersparnis durch KI-Angebote
7,5h
Weniger als die gescheiterten Neuversuche
85.000 €

Vorher vs. Nachher im Detail

KennzahlVorher (Access/VBA)Nachher (Ownership)Veränderung
Monatliche Kosten~6.500 € (schwankend)4.900 € (fest)-25 %
Einmalige Migration18.000 €Einmalig
Gleichzeitige BenutzerMax. 5UnbegrenztKeine Limits
Datenbankausfälle1–2x/Monat0-100 %
Monatsauswertung15–20 Minuten2 Sekunden-99 %
Angebotserstellung45–60 Min.15–20 Min.-65 %
DATEV-ExportManuell, fehleranfälligAutomatischFehlerfrei
Workaround-Excel-Listen30Komplett abgelöst
DokumentationNicht vorhandenVollständigKomplett neu erstellt

Kostenrechnung: Modernisierung vs. gescheiterte Neuentwicklung

2 gescheiterte NeuversucheModernisierung + Ownership
Einmalige Kosten85.000 € (für nichts)18.000 € (funktioniert)
Monatliche Kosten (12 Monate)Weiterhin 6.500 €/Monat = 78.000 €4.900 €/Monat = 58.800 €
Gesamtkosten Jahr 1163.000 €76.800 €
ErgebnisAltes Access läuft weiterModernes System, KI-Features

Mehr über die tatsächlichen Kosten: Was kostet Softwareentwicklung in Deutschland 2026?

Was der Kunde sagt

Ehrlich gesagt hatte ich null Vertrauen mehr, nachdem die beiden anderen Versuche gescheitert waren. Aber die haben sich erst mal hingesetzt und zugehört, statt gleich draufloszuplanen. Nach 3 Wochen lief der erste Teil im neuen System. Und nach 12 Wochen war Access endgültig Geschichte.

Stefan Bauer, Geschäftsführer, Bauer Metallbau GmbH

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